Die Munich Show 2017

Aus der Mine in die Vitrine
von Robert Brandstetter 

Nach der allgemein kritisierten Hauptsonderschau des vergangenen Jahres wollte man heuer nichts allein den Museumskustoden überlassen und hat im Teamwork das Beste für München ausgewählt. Dementsprechend auch das Ergebnis: Alle drei Sonderschauen mit mineralogischem Hintergrund Masterpiece Mines, Alpine Minen und Historische Minen waren exzellent, sowohl in der Auswahl und Qualität der Exponate als auch in der übersichtlichen, gut beschrifteten und besonders formschönen Rahmengestaltung. Wer heuer der Veranstaltung ferngeblieben ist, der hat tatsächlich etwas Einzigartiges versäumt! An den äußerst positiven Eindruck dieser Sonderschauen wird man sich noch in vielen Jahren erinnern. Was es für den Eintrittspreis einer Tageskarte – heuer 13,- € – an mineralogischen Leckerbissen zu bestaunen gab, kann der Besucher in keinem Museum der Welt in derart konzentrierter Auswahl hochkarätiger Schaustücke sehen. Zusätzlich bietet die Messe aber auch noch die Möglichkeit, das eine oder andere Stück für die eigene Sammlung zu erwerben – aus dem europaweit größtmöglichen und beinahe unüberschaubaren Angebot ...



Eine Erweiterung des Messegeländes verursachte im Verlauf der Veranstaltung für den Besucher weniger Probleme als im Vorfeld befürchtet. So hatte die Munich Show diesmal ein „Strukturproblem“ zu bewältigen, denn die Messegesellschaft München konnte aufgrund des Umbaus zum Teil nur halbe Hallen zu Verfügung stellen. Sonst wären aufgrund gesetzlicher Vorgaben im Ernstfall nicht ausreichend Fluchtwege vorhanden gewesen. Während die Halle A6 davon wenig betroffen war, kam es in der sogenannten „Sammlerhalle“ A5 zu deutlichen Umstrukturierungen. Hier hat man den gesamten „Marokkaner-Block“ hinter den Sammlervitrinen in die nächste Halle A4 verlegt und auf den dadurch gewonnenen Platz die Händler aus den verkleinerten Schmuckhallen B5 und B6 eingefügt. Hauptsächlich davon betroffen waren Händler aus Marokko samt Fossilienhändlern und Sammlerständen, sowie die Fossiliensonderschau Ying & Yang der Urweltozeane.
Das einzige, was leider nicht mit der sprichwörtlichen „Deutschen Gründlichkeit“ vorausgeplant werden konnte, war das Wetter. Während der Aufbautage zeigte es sich noch als „Goldener Herbst“ von seiner besten Seite, doch am besucherstarken Wochenende erreichte das Sturmtief Herwart auch die Bayernmetropole. Wetterwarnungen in den Medien waren dem Besucherstrom, vor allem am Sonntag, nicht gerade förderlich. Auch im Hallenlautsprecher wurde stetig vor Orkanböen und durch die Luft wirbelnden Teilen außerhalb der Hallen gewarnt. Doch trotz dieser widrigen Bedingungen zählte die Munich Show wieder knapp über 40.000 Besucher, etwa so viele wie 2016.

Fluorite aus Europa
Bei genauer Durchsicht des Angebotes von 1230 Ausstellern aus 65 Nationen konnte man auch heuer wieder einige Novitäten entdecken. Besonders das Mineral Fluorit war diesmal aufgrund verschiedener Neufunde Teil vieler Gespräche und Geschäfte. Hauptsächlich aus Europa wurden zahlreiche neu entdeckte Fluorite offeriert. Man könnte beinahe schon von einer kleinen Fluorit-Lawine sprechen ... Im Rogerley-Steinbruch bei Frosterley, Weardale, Grafschaft Durham, Nord-england gibt es seit Juli 2017 einen neuen Fluorit-Abbau – die Diana Maria Mine (→Lapis 11/2017). Der Stufenbergbau durch Crystal Classics im Bereich der Sutcliffe Vein brachte bereits fünf Drusen ans Tageslicht, mit unterschiedlichen, qualitativ hochwertigen Fluoriten. Sie unterscheiden sich durch ihre Zonarfärbung deutlich von anderen Fluoriten aus nordenglischen Minen. Während andersfarbige Phantome in würfeligen Fluoritkristallen meist auf allen Seiten etwa denselben Abstand zur Außenkante aufweisen, reicht die blauviolette Zonarfärbung der grünen Fluorite aus der Diana Maria Mine mindestens auf einer Seite bis zur äußeren Würfelbegrenzung. Bei den Vorbereitungen meiner Artikel über die nahegelegene Rogerley Mine (Lapis 1/2010+9/2012) habe ich auch einige Zeit am Sutcliffe-Gang verbracht. Leider konnte ich damals, nur mit Hammer und Meißel ausgerüstet, das große Potenzial der Fundstelle nicht nützen. Crystal Classics bot auf den Mineralientagen eine größere Anzahl von Stücken in allen Preislagen aus diesem Neufund. Deutlich weniger Stücke hatte derselbe Aussteller aus einem Neufund violetter Fluorite aus einem irischen Granitsteinbruch, dem Larkin´s Quarry bei Costelloe, Connemara im County Galway. Die unterschiedlich intensiv gefärbten würfeligen Kristalle erreichen Kantenlängen bis 5 cm und zeigen nicht selten oktaedrische Phantome im Kristallkern. Enrico Rinaldi Minerals aus Italien zeigte auf seinem Stand neue Fluorite aus der Boltsburn Mine im Rookhope Distrikt, Durham, Nordengland. Den Boltsburn-Gang der gleichnamigen und heutzutage teilweise gefluteten Mine erreicht man gegenwärtig in rund 50 „Gehminuten“ untertage vom Einstiegsbereich entfernt. Teilweise erreicht das geflutete Wasser allerdings Brusthöhe! Die bereits 1931 geschlossene Boltsburn Mine steht als Synonym für englische Fluorit-Zwillinge schlechthin. Die meisten großen violetten Kristalle aus den historischen Museumssammlungen (nicht selten aber mit der fälschlichen Fundortangabe Cumberland etikettiert) stammen von hier. Die neu angebotenen Fluoritwürfel aus dem Blue Pocket zeigen aber eine hellblaue Färbung. Einige Würfelseiten jener hochglänzenden Kristalle sind fundstellentypisch mit dunkelbraunem Siderit überwachsen. Weißer Calcit gehört ebenfalls zur Paragenese, ebenso kuboktaedrischer Galenit bis 6 cm Ø. Fluorite bis 2 cm sind meist wasserklar; dagegen zeigen Zwillinge bis 6 cm Kantenlänge und größere Kristalle oftmals matte weiße Flecken im Inneren. Ein weiterer erwähnenswerter Fluorit-Neufund – grüne Oktaeder aus dem Gasteiner Tal, Salzburg, Österreich – wurde von Stephan Weghofer in der Sammlerhalle A5 angeboten. Der enorme Hohlraum der als „Bucheben“ in Sammlerkreisen seit Jahrzehnten bekannten Fundstelle brachte eine beachtliche Menge an Stufen mit Kristallen von 1-2 cm KL, teils auch bis 4 cm Ø (→Lapis 10/2017). Im Artikel nicht erwähnt wurden rund ein Dutzend skurrile Stücke, bei denen die Oktaeder lediglich an den Kanten von einer zweiten helleren Fluoritgeneration überwachsen worden sind. Auch Margraf Minerals zeigte heuer sehr ansprechende Fluorite aus der bekannten nordspanischen Fundstelle Berbes, Ribadesella, Asturien. Mächtige dunkelviolette und zumeist einzeln auf Quarzrasen aufgewachsene Würfel, durchschnittlich mehrere Zentimeter groß und teilweise mit Baryt vergesellschaftet. Obwohl hier auch ein Neufund vermutet wurde, soll es sich laut Jürgen Margraf um einen größeren, nicht publik gemachten und zurückgehaltenen Fund aus den „Goldenen Zeiten“ der weltberühmten Fundstelle in den 1980er Jahren handeln, der erst jetzt durch einen Sammlungsverkauf in den Handel gelangte.

Aus Asien …
kamen ebenfalls interessante Neufunde. Sabine Amory (Mineral Design) stellte hauptsächlich doppelendige Aquamarine mit kräftiger Färbung und sehr guter Qualität auf ihrem Stand A6.519 aus. Die Stücke stammen aus einem kleinen Schurf in einem stark bewaldeten Gebiet von Thanh Hoa, rund 300 km südsüdöstlich von Hanoi, Vietnam. Weil der Feldspat des Pegmatits bereits sehr stark verwittert war, kommen hier praktisch keine Stufen ans Tageslicht. Die Aquamarine erreichen bis maximal 25 cm Länge. Edelsteinqualität zeigen aber nur Kristalle bis ca. 12 cm. Der Fund lieferte etwa 100 Sammelstücke und viel Schleifmaterial. Wasserklare Bergkristalle in bester „alpiner“ Qualität stammen aus dem Manihar-Tal im Kullu District, Himachal Pradesh, Nordindien. Die Fundstelle liegt in rund 4200 m Höhe. Es kamen dicke Einzelkristalle von bester Reinheit bis 30 cm Länge zu Tage, aber auch schöne Gruppen mit deutlich kleineren Kristallen. Angeboten wurden die Stücke von Sami Makki (Matrix India). Auch China ließ mit Neufunden aufhorchen. Gelbbräunlicher Roweit, ausgebildet in Baryt-ähnlichen, tafeligen Kristallgruppen von 1-3 cm Ø, stammt aus einem diesjährigen Neufund in der Shijingshan Mine, Linxi, Innere Mongolei. Das seltene Borat ist meist mit farblosen nadeligen Kristallen von Olshanskyit bis 1,5 cm vergesellschaftet, einem weiteren seltenen Boratmineral. Einige Stufen zeigen noch Magnetit bis 2 cm und sehr selten auch Ilvait. Der Fund in einer Skarnzone soll zwar fast 400 Stück geliefert haben, doch sind nur etwa 10% davon sammelwürdig. Angeboten wurden diese Seltenheiten von Jean Jacques Abello. Derselbe Händler hatte auch noch eine größere Zahl an Veszelyit-Stufen aus der Laochang Mine bei Gejiu, Provinz Yunnan. Dieses ebenfalls sehr seltene Kupfer/Zink-Phosphat bildet dunkelblaue rasenartige Überzüge und radialstrahlig-kugelige Verwachsungen bis 2 mm Ø. Derartige Stücke gab es zu moderaten Preisen und in guter Auswahl. In preislich höhere Regionen ging es allerdings rasch bei fünf Kleinstufen, die beachtliche scharfkantige Veszelyit-Kristallgruppen bis 1,2 cm Länge trugen. Eine chinesische Händlerin bot einen Neufund weniger seltener Mineralien aus der Inneren Mongolei an: Ein Dutzend blauviolette würfelige Fluo-rite, manchmal auch mit grünlichen Farbflecken, die auf hellbraunen Rauchquarzen sitzen. Genauere Hinweise auf die Fundstelle gab die Chinesin nicht. Es ist aber anzunehmen, dass diese Stücke aus den Huanggang-Bergwerken stammen.

Südamerika
Neuheiten lieferten auch die Bergwerke des Andenstaates Boliven. Peter Thurnwalder (Bolivian Minerals) brachte etwa ein Dutzend Stufen mit 5-6 cm großen Ferberit-Kristallen, die auf bis 3 cm großen Löllingit-Kristallen sitzen. Dieser spektakuläre Neufund vom September 2017 stammt aus der Mina Rosario am Cerro Tasna, Atocha-Quechisla District, Department Potosí. Interessant ist hier nicht nur die Mineralparagenese an sich, sondern auch die Tatsache, dass es sich dabei um den zweitbesten bisher auf den Markt gekommen Fund von Löllingitkristallen handelt – nach jenen aus den Huanggang-Bergwerken in der Inneren Mongolei. Der Mineralienhändler Peter Griss (stonesunlimited.de) zeigte auf seinem Stand A6.123 hochglänzende Hübnerit-Kristalle bis 3 cm Länge, verwachsen zu bizarren Stufen. Gefunden wurden die Stücke vor rund zwei Jahren in der Himalaya Mine bei Cantón Cohoni, Mt. Illimani, Department La Paz. Altfunde vor 2010 lieferten zwar Kristalle bis Dezimeterlänge, doch waren dies hauptsächlich beschädigte Einzelkristalle mit wenig Oberflächenglanz. Aus einem Neufund bei Araçuaí im Bundesstaat Minas Gerais, Brasilien stammen pastellgrün gefärbte, hochglänzende Glimmer-Kristalle bis 2 cm Länge. Diese Stücke sind derart ungewöhnlich ausgebildet, dass sie selbst Kenner auf den ersten Blick nicht für Glimmer halten würden. Ausgezeichnete Handstufen aus diesem Fund habe ich bei Jürgen Tron (JETminerals) gesehen.

Afrika
In Halle A5 präsentierte Jörg Steinbinder (Steini´s Mineralienwelt) ein großes Lot mit braun gefärbten Calcitkristallen und farblosem, spießigem Natrolith, die röhrenförmige Hohlräume in vulkanischem Tuffgestein auskleiden. Die „Röhren“ waren einst Stammstücke und Äste eines Waldes, der mit heißer Vulkanasche zugedeckt wurde! Der Fundort liegt nahe den Sipi Caves am Mount Elgon, Manafwa District, Uganda. Jordi Fabre aus Barcelona, Experte für Raritäten und Neuheiten, hatte auch diesmal wieder einiges Erwähnenswerte im Sortiment. Darunter war ein größerer Fund vom Frühjahr 2017 aus der N´Chwaning III Mine bei Kuruman, Kalahari-Manganerzfelder/Südafrika, mit Jouravskit als schwefelgelbe Kristalle bis max. 1 cm Größe, manche davon sogar recht klar, aufgewachsen auf weißem Xonotlit. Eine kleine Pegmatitdruse, die im Juli 2017 in der Naipa Mine, Alto Ligonha District, Mozambique geöffnet wurde, lieferte wenige Stücke einer eher ungewöhnlichen Pseudomorphose von Lepidolith nach Turmalin, in Kristallen bis 15 cm Länge. Zwischen den rosafarbenen Glimmerplättchen haben sich nach der Umwandlung wieder kleinere dunkelgrüne Farbturmaline gebildet. Bei zwei Stücken gehört auch Manganotantalit zur Paragenese. Marokko lieferte in den vergangenen Jahren kontinuierlich Neuheiten für den internationalen Mineralienmarkt. Heuer gab es auch gediegen Gold, aus mindestens zwei verschiedenen Fund- stellen. Es bricht jetzt zwar nicht gleich der Goldrausch aus, und Marokko zu einem neuen „El Dorado“ zu erklären, wäre wohl etwas verfrüht, aber trotzdem wurden sehr interessante Stücke in München gehandelt. Im Sahara-Gebiet um Fem Zgid bei Dakhla wird mit Metalldetektoren nach dem edlen Metall gesucht. Jordi zeigte mir von dort ein beachtliches, 3,4 x 2 cm großes Goldnugget mit Quarzmatrix, aus einem Neufund im Juli 2017! Ein weiterer aktueller marokkanischer Goldfund gelang in der Taghouni Mine im Revier Bou Azzer. Von hier stammen reich mit kleinen Goldplättchen bewachsene Stücke, vergesellschaftet mit derbem Erythrin. Im selben Bergbaudistrikt liegt auch die Oumlil Mine. Im September 2017 gab es hier einen größeren Fund mit bis zu 3 mm messenden, schwarzgrün gefärbten und hochglänzenden Skorodit-Kristallen, aufgewachsen auf bräunlichgelbem Karibibit. Obwohl es sich hier um einen größeren Fund handelte, kamen leider nur sehr wenige gute Sammelstücke heraus. In Aït Ahmane, ebenfalls im Distrikt Bou Azzer, barg man im März 2017 wieder Gersdorffit von Weltklasseformat. Eine 18 cm breite Topstufe trägt scharfkantige und stark glänzende Oktaeder bis 3,8 cm Kantenlänge! Die Matrix der neuen Stücke ist sehr stabil und deutlich sichtbar mit Nickelin durchsetzt. Weiters zeigte Jordi Apatite aus Anemzi bei Imilchil, die erst wenige Tage zuvor gefunden wurden – maximal 10 cm lange, sechsseitige Säulen bis 5 cm Länge, in guter Qualität und heller Rosafärbung, eingewachsen in Prehnit. Durch Aufspalten der Prehnitzapfen wurden die Apatitkerne freigelegt. Hamid Ould Mansur aus Marokko brachte einen weiteren Apatit-Fund aus Anemzi bei Imilchil auf die Börse. Bis 4 cm lange sechsseitige Kristalle, an den Längseiten rötlichbraun gefleckt, mit braunen glänzenden Kopfflächen. Interessant war nicht nur die Ausbildung der Apatite, sondern vor allem auch das Begleitmineral: Die Apatite sitzen auf Arfvedsonit! Dessen mehrere Zentimeter langen Kristalle sind mit Hämatit und kleinen schwarzen Quarzen überzogen. Etwa 100 Stück aus dieser Paragenese wurden im August 2017 entdeckt. Zur selben Zeit kamen, ebenfalls aus dem Gebiet um Imilchil, rund ein Dutzend Stufen mit bis zu cm-großen trübweißen Analcim-Deltoidikositetraedern, einzeln auf schwarzen Aegirin-Kristallen aufgewachsen. Die wenigen Stücke dieser Paragenese wurden rasch von Spezialsammlern aufgekauft. Was Namibia betrifft, so ist Dr. Malzahn OGPC Namibia wieder zurück auf den Mineralientagen – mit erstaunlichen Neufunden. Neben schön blauem Jeremejewit, Aquamarin und Goshenit-Doppelendern auf strahligem Schörl präsentierte Heinz Malzahn unglaublich verzerrte, teils „fadenartig“ bis „stalaktitisch“ gewachsene Gruppen aus pseudo-trigonalen Fluoriten – diesmal nicht nur bläulich mit lila Kanten, sondern auch als leuchtend grüne Exemplare. Über die Entstehung dieser weltweit einzigartigen „Erongo-Fluorite“ wird Lapis noch detailliert berichten.

From mine to mine – Masterpiece Mines
Bergbaue, die nur zur Gewinnung besonders schöner und wertvoller Mineralstufen betrieben werden, standen im Mittelpunkt der diesjährigen Hauptsonderschau – und deren Eingänge waren mit schwarzen Schrägbalken wie Stollenmundlöcher angelegt. Doch schon vor dem Haupteingang wurde der Blick unweigerlich nach links gezogen, wo den Betrachter ein farbliches Feuerwerk in Knallrot und Türkis erwartete: Fünf Schaukästen, bestückt mit einigen der besten Rhodochrositstufen aus der Sweet Home Mine, Colorado und unglaublichen Amazoniten, teilweise als Zwillingskristalle, vergesellschaftet mit dunklen Rauchquarzen aus verschiedenen Fundstellen im Teller County, ebenfalls Colorado. Mineralogische Ikonen aus den USA, in bester Qualität, wie sie sonst auf unserem Kontinent nur äußerst selten zu sehen sind und wenn, dann nicht in dieser Konzentration von Topstücken auf engstem Raum. Leihgeber der hochwertigen Schaustücke waren zum einen Brian Lees, dessen Firma Collector´s Edge die Rhodochrosite als einer der ersten „Specimen Mining“-Betriebe abgebaut hat und zum anderen Joseph & Susan Dorris, deren Familie maßgeblich an den bedeutenden Amazonitfunden beteiligt war. Der rechte Eingangsbereich konnte zwar farblich mit der linken Seite nicht mithalten, doch aus historisch-mineralogischer Sicht befand sich dort der Stolz deutscher Mineralogie – die Ikonen aus den Silberbergwerken des Freiberger Reviers. Kustos Andreas Massanek hatte insgesamt fünf hochkarätige Vitrinen mit einigen der besten Stufen aus den Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg zusammengestellt. Beeindruckt durch die geballte Ladung an mineralogischen Kostbarkeiten musste man durchaus darauf achten, sich beim Betreten der weiteren Räumlichkeiten der Sonderschau nicht den Kopf an der abgeschrägten Seite des Durchganges anzustoßen. Doch so erhielten die Besucher einen recht anschaulichen Eindruck, wie es tatsächlich ist, wenn man ein altes Bergwerk betritt. Ob dieses Konzept auch in den Vereinigten Staaten in dieser Form und in Anbetracht der Besuchermassen genehmigt worden wäre, ist fraglich … Die Sonderschau führte weiter zu den Minen von Kalifornien. Neben Benitoit und Neptunit aus dem San Benito County lagen hier die Hauptschwerpunkte auch auf dem berühmten Goldfund in der Eagles Nest Mine, dokumentiert durch drei Superstücke aus der Sammlung von Wayne & Dona Leicht. Beeindruckende Farbturmaline, sowie rosafarbenen Morganit aus dem San Diego County hatten Jim & Gail Spann, Will & Bill Larson und Dr. Eugene S. Meieran auf die Sonderschau gebracht. Mineralogischen Kostbarkeiten aus den berühmten Edelsteinminen Brasiliens stammten aus der Pederneira Mine bei São José da Safira, im Bundesstaat Minas Gerais: Bläulichgrüne Elbait-Turmaline mit rotem Kristallkern, zumeist zu bizarren Gebilden auf hellem Clevelandit aufgewachsen. Neben Stücken bereits zuvor erwähnter Leihgeber waren hier auch zwei Stufen aus der Sammlung von Mario Pauwels aus Belgien zu sehen. Die Vitrinen der berühmten „Imperial“-Topase, deren Farbe weltweit unvergleichbar ist, war eine Klasse für sich. Die Fundstellen liegen rund um Ouro Preto, der ehemaligen Hauptstadt von Minas Gerais. Einen weiteren farblichen Höhepunkt bot die Vitrine daneben, mit den berühmten purpurroten Turmalinen aus den Minen Cruzeiro bei São José da Safira und Jonas (João Pinto) in Conselheiro Pena. Ein nicht genannter Leihgeber war hier auch Marco Tironi. In drei weiteren Vitrinen mit Mineralien aus Südamerika waren unter anderem sternförmiger Calcit aus Rio Grande do Sul oder Amethyst mit Calcit aus Artigas, Uruguay zu sehen. Der Afrika-Teil der Sonderschau war in 10 Vitrinen, aufgeteilt in zwei Fünferblöcken platziert. Neben Rhodochrosit aus der N´Chwaning Mine der Kalahari-Manganerzfelder konnte man hier auch Tansanit aus der Merelani Mine und viele weitere Mineralien bestaunen. Der Hauptanteil der Exponate stammte aus der Sammlung der im Dezember vergangenen Jahres verstorbenen Dr. Erika Pohl-Ströher. Unter vielen hervorragenden Stücken gilt es hier den berühmten historischen Berger-Azurit oder zwei außergewöhnlich große Cerussite aus der Tsumeb Mine und der Kombat Mine hervorzuheben. Der Kontinent Australien wurde hauptsächlich durch Stufen aus Broken Hill vertreten, die beinahe durchwegs von Ausrox zur Verfügung gestellt wurden. Crystal Classics bestückten einen Schaukasten mit acht Kupferstufen aus einem neueren Fund in der Rocklands Mine, Cloncurry, Queensland. Das mit Sicherheit kurioseste Exponat der Sonderschau war „The Shoe“, eine Gipsstufe, die sich um einen alten Schuh gebildet hat. Das Stück stammt aus der Pernatty Lagoon, Mt. Gunson, Südaustralien. Zum Thema China kam ein Großteil der Exponate aus der Privatsammlung von Dr. Robert Lavinsky. Neben Topstufen aus diversen Fundstellen konnte man hier auch extravagante Stücke bewundern, darunter einen kleinen Fluoritwürfel auf Quarz aus Yaogangxian; er zeigt eine fleckige Phantombildung, die den Betrachter an ein „Smiley“ erinnerte. Nicht zu vergessen auch die perfekt aufgeschnittene Azurit/Malachit-Kombination „Happy Feet“ aus der Liufengshan Mine in der Provinz Anhui, die zweifellos an die Fußabdrücke eines Kleinkindes erinnert. Aufgrund des hohen Wiedererkennungswertes zählen die beiden Hälften bereits zu den weltweit bekanntesten Mineralstufen. Eher klein gehalten war die Anzahl der Schaustücke zu den Zeolithen und ihren Begleitmineralien aus dem Dekkan-Trapp, Indien, sowie den Edelsteinen aus Pakistan und Afghanistan. Stufen aus diesen Regionen haben in den vergangenen Jahrzehnten den Markt förmlich überschwemmt und man hat sich gewissermaßen daran auch etwas satt gesehen. Obwohl die gezeigten Farbturmaline aus Afghanistan, ein Stück sogar mit einem mächtigen und intensiv rosa gefärbten Kunzit verwachsen, schon eine Darbietung auf höchstem Niveau waren. Auch drei Aquamarine aus Pakistan ließen keinen Zweifel an dem hohen Qualitätspotenzial jener Fundstellen aufkommen. Bei den Mineralien aus dem Erzrevier Lavrion, Griechenland, waren Karin & Wolfgang Wendel die maßgeblichen Leihgeber. Zu den besten Stücken gehörte sicherlich eine enorme Stufe mit Brochantit-Pseudomorphosen nach gediegen Kupfer, aus der berühmten „Kupferkluft“ in der Christiana Mine. Einer meiner persönlichen Favoriten war eine ungewöhnlich bizarre hellblaue Eisenblüte aus der Grube Megala Pefka. In den Vitrinen aus den Bergbauen um Wolodarsk-Wolynskii standen mächtige wasserklare Heliodore und auch ein Aquamarin, sowie Topas aus älteren wie neuen Funden. Im Bereich der Bergwerke aus Nord-england brachte das Natural History Museum of London beachtenswerte Witherite aus der Grafschaft Cumbria, sowie kugelige Siderite aus Durham. Die Fluoritbergwerke in Weardale wurden durch drei relativ junge Stufenbergbau-Projekte vertreten: die Rogerley Mine mit Stufen von „Specimen miner“ Ian Jones und Sammler Gerd Wiedenbeck, die Greenlaws Mine mit Stücken von Betreiber Peter Ward und das jüngste Projekt Diana Maria Mine mit Exponaten von Diana Bruce. Die Vitrinen mit Mineralien aus den Silbergruben von Sainte Marie-aux-Mines konnten zwar optisch „nicht ganz“ mit den zuvor erwähnten Schaustücken mithalten. Trotzdem war es interessant zu sehen, was die Umgebung der zweitgrößten Messe Europas in mineralogischer Hinsicht zu bieten hat – und vielleicht ein Anstoß, die Veranstaltung im Elsaß selbst einmal zu besuchen?

„Alpine Minen“ …
widmete sich die diesjährige Spezialausstellung im Alpinbereich der Halle A5. Diese präsentierte sich, wie bereits aus den letzten Jahren gewohnt, auch heuer wieder auf höchster Qualitätsebene. Die ersten Schaukästen galten der Mina Camissione bei Zogno in der Lombardei, Italien – überreich mit 32 Stufen repräsentiert, die hauptsächlich Federico Pezzotta zur Verfügung gestellt hatte. Die Stücke von jener Fundstelle zeigen den Grund ihrer Beliebtheit erst mit einer entsprechend intensiven Beleuchtung von hinten. Dies wurde hier in den Vitrinen durchaus vortrefflich gelöst. Das höchstwahrscheinlich meistfotografierte Stück von hier, welches auch in den sozialen Medien als „Augenfluorit Italiens“ und „bestes Stück aus diesem Fundbereich“ hoch gelobt wurde, war leider nur eine Stufe mit pechschwarzen Fluoritkristallen, der zwei etwa gleichgroße Ecken abgeschlagen wurden. Dadurch konnte der Betrachter zwar ins blauviolette und hinterleuchtete Kristallzentrum blicken, was zugegeben einen tollen Effekt erzeugte, aber mit einem natürlich gewachsenen Kristall hat das nur mehr am Rande zu tun. Eine entsprechende Bezeichnung am Etikett hätte die Euphorie hier vermutlich etwas gedämpft? Ein weiterer italienischer Blickfang waren die neun gezeigten Goldstufen aus der Fenillaz Mine bei Brusson im Aostatal: Stücke bis zu 40 cm Breite, reich mit Gold besetzt aus jüngeren Funden, aber auch eine historische Stufe, hatte das Museo Civico di Storia Naturale di Milano zur Verfügung gestellt. Mit einem Dutzend prächtiger Wulfenit-Stufen aus den Minen Union, Helena und Igrcevo, stellte sich das Mezica Mine Museum Podzemlje Pece vor. In der Vitrine zum Thema Knappenwand im Untersulzbachtal, Pinzgau, Salzburg konnte man eine Zusammenstellung von 17 Stufen bewundern, vor allem Epidot in Weltklasse-Kristallen bis knapp 20 cm Höhe. Die Stücke stammten von Alpinmineralien Hofer, der Familie Watzl und Mario Pauwels. Andreas & Claudia Steiner brachten Smaragde und seltene Aquamarine aus dem berühmten Smaragdbergwerk im Habachtal mit nach München, dazu auch prachtvolle Sphene bis rund 7 cm und hochglänzende Morionquarze aus den umliegenden Bergen. Drei „privat“ ausgerichtete Schaukästen widemeten sich der Cavradi-Schlucht im Schweizer Kanton Graubünden. Hier standen nicht nur die erwarteten wasserklaren Quarze und einzigartigen Hämatite, teilweise orientiert mit Rutil verwachsen, sondern auch Fundstellenraritäten wie ein rund 5 cm hoher Amethyst-Zepter mit Hämatit und Adular, oder beachtliche Djurleit-Kuboktaeder. Oftmals gezeigt, aber immer wieder gerne gesehen sind die großartigen Rauchquarze und bis 10 cm großen Rosafluorite aus dem über fünfzehnjährigen Bergbau am Planggenstock im Kanton Uri. Paul von Känel, Franz von Arx und der vor einigen Jahren neu dazu gestoßene Elio Müller zeigten diesmal Stücke aus verschiedenen Kluftbereichen, die auch für Vitrinen in „normaler Größe“ geeignet sind. In der Vitrine zu La Mure, Isère/Frankreich hatte man – hauptsächlich bei Baryt, Dolomit und Siderit – in jüngerer Zeit in Frankreich Besseres gesehen. Sensationell waren dafür die Sphalerite auf Dolomit, teilweise mit großen Tetraedriten, sowie Bournonit, aus den Sammlungen Pierre Bavuz, Denis Boël und Alain Martaud. In den Schaukästen zu La Gardette, Bourg d'Oisans, Isère/Frankreich konnte man neben den berühmten wasserklaren „Gardette“-Quarzen auch eine große Bergkristallstufe mit frei gewachsenem Gold bewundern, sowie Tetraedrit mit Azuritüberzug auf Quarz, als rund 12 cm hohe Stufe, die in ihrer Form stark einem Baum ähnelt. Beide Stücke stammen aus der Mine à Giraud und kommen aus der Sammlung Pascal Guiguet-Bologne. Kirchenschatz aus historischen Minen Die dritte diesjährige Sonderschau war ein enormer Publikumsmagnet. Viele sind alleine deswegen gekommen, weil sie den prunkvollen Kurschatz von Trier einmal mit eigenen Augen sehen wollten. Die klerikalen Kostbarkeiten standen im Zentrum dieser Schau, in einer feierlich rot gestalteten Umgebung. Den Höhenpunkt kirchlicher Herrlichkeitsdarstellung in der Barockzeit verkörperte die dicht an dicht mit Edelsteinen besetzte Prunkmonstranz, hergestellt von Christian Schweling 1667, und dem 1739 dazu gefertigten Prozessionsbaldachin. Die Prunkmitra, kreiert von Christian & Cornelius Schweling 1674/76 und Peter Boy 1688/91, sowie der Bischofstab, 1673 kunstvoll von Johann Daniel Treudel erschaffen, waren weitere Kunstgegenstände, die man einmal im Leben gesehen haben muss! Veranstalter Christoph Keilmann gelang es mit viel Organisationstalent, die unschätzbar wertvollen sakralen Kulturgüter exklusiv auf die Messe zu holen, weil Professor Albert Gilg von der TU München mit einer tragbaren Raman-Sonde „vor Ort“ zerstörungsfreie Analysen der Juwelen durchführte. Dabei wurden die reichlich verwendeten Edelsteine – darunter Peridot aus Zebirget und indische Almandine – erstmals eindeutig identifiziert. Sammlervitrinen … stellt die Messeleitung schon seit vielen Jahren kostenlos zur Verfügung, um es auch privaten Sammlern zu ermöglichen, mit ihren Objekten stilvoll vor zehntausenden Besuchern in Erscheinung zu treten. Einige der 30 Schaukästen hoben sich durch originelle Ideen, besondere Stufen oder liebevolle Gestaltung wieder besonders hervor. Günter & Monika Backmann blickten auf „25 Jahre Sammlervitrine“ und generell 45 Jahre Sammeltätigkeit zurück, mit 27 schon einmal hier gezeigten Stufen, jeweils mit Datum und Thema der damaligen Sammlervitrine. Thomas Weiland aus Wien präsentierte eine der schönsten Sammlervitrinen zum Thema „Moderne Klassiker“ – mit ausgewählten Kupfermineralien, die bereits im Rahmen seiner Publikationen abgebildet waren. Zu diesem Thema passte auch die Gemeinschaftsvitrine von Karlheinz Gerl und Prof. Dr. Bernhard Sick zum Thema „Kupfermineralien mit historischen Etiketten“. Das einfallsreiche Motto der Vitrine: „Erst seins – jetzt meins“, als kleine Anspielung auf den diesjährigen Sonderschau-Slogan „From mine to mine“, zauberte sicherlich auch einigen weiteren Betrachtern ein kleines Lächeln ins Gesicht. Walter A. Weber aus München widmete seine bewundernswerte Sammlervitrine dem Landsberg bei Ober-moschel in der Pfalz. Mit insgesamt sieben (!) Stufen des seltenen Silber-amalgams Moschellandsbergit von der Typlokalität, in Kristallen um 5 mm Ø. Spitze Zungen behaupteten scherzhaft: kein Wunder, dass dieses Mineral so selten anzutreffen ist, wenn alle in der Sammlung Weber liegen! Am Ende eines äußerst positiven Gesamteindrucks der diesjährigen Munich Show ist es mir ein Bedürfnis, auch den Stand A5.451 zu erwähnen. Hier befand sich die Sonderschau „Steine begreifen“, eine Aktion für Blinde und Sehende, zusammengestellt in Privatinitiative von Franziska und Rudolf Schwinghammer.

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