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Coltan: „Blutiges Erz“ aus Schwarzafrika (07/08/2011)

In letzter Zeit geistert das Zauberwort „Coltan“ immer wieder durch die Presse. Ganz offensichtlich handelt es sich um ein Erz, aber in den einschlägigen Lehr- und Tabellenbüchern taucht dieser Begriff nicht auf. Was also ist Coltan?

Coltan ist ein Kunstwort, das sich aus den Namen zweier chemischer Elemente zusammensetzt: Columbium und Tantal. Während letzteres sicher allen LAPIS-Lesern bekannt ist, stösst ersteres eher auf Unverständnis. Das liegt daran, dass Columbium ein amerikanischer Name ist; wir kennen das Element unter dem Namen Niob. Und jetzt dämmert es wahrscheinlich schon: Coltan ist nichts anderes als der uns allen bekannte Columbit (→LAPIS 12/2002).
Warum wird also in der Presse so viel Wirbel um diesen Columbit – ein nicht gar so seltenes Oxidmineral – gemacht? Das liegt an seinem Tantal-Gehalt. Tantal ist in den letzten Jahren wirtschaftlich immer wichtiger geworden, Tantal-Kondensatoren stecken in mittlerweile weit über 2 Milliarden Handys weltweit, in Spielekonsolen, in der Fahrzeugelektronik und in vielem mehr. Daneben ist Tantal ein wichtiges Metall in der Medizintechnik und wird zur Herstellung von Spezialgläsern benötigt.
Jährlich werden etwa 15.000 Tonnen dieses Metalls produziert, etwa 80% der Weltvorräte liegen im zentralafrikanischen Staat Kongo. Und das ist das Hauptproblem und der Grund, warum es in der Presse auch zu dem Begriff „Bloody mineral Tantal“ kommt, analog dem Begriff „Blutdiamanten“, die man ja auch aus Hollywood-Filmen kennt.
Im Osten Kongos herrscht ein blutiger Krieg um den Besitz der größten Lagerstätten, das heißt, um den Besitz der größten Macht- und Geldmittel. Dabei wird die eigentlich dort lebende Bevölkerung gar nicht nach ihrem Willen gefragt. Die dort lebenden Menschen müssen unter Einsatz ihres Lebens und unter menschenunwürdigen Bedingungen das wertvolle Erz aus dem Berg holen, daran verdienen tun aber nur die Kriegstreiber, Söldnerführer und korrupte Politiker. Erwachsene und Kinder schuften wie Sklaven, ohne Arbeitskleider, ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen, Todesfälle sind an der Tagesordnung.
Durch den ungezügelten Tantal-Bergbau sind auch einige der ökologisch wertvollsten Gegenden unseres Planeten bedroht, darunter auch der weltweit bekannte Virunga-Nationalpark in Ruanda, letztes Rückzugsgebiet der vom Aussterben bedrohten Berggorillas. Die Bergarbeiter zerstören den Lebensraum und zu ihrer Versorgung wird bevorzugt Wild geschossen und die großen Gorillas sind da besonders beliebte Fleischlieferanten.
Die kongolesischen Kriegsparteien können ihr Tantal-Erz besonders billig anbieten, denn sie müssen ja keinerlei Auflagen einhalten, ihre Arbeiter werden kaum bezahlt. Ihre Dumping-Preise haben ernste Folgen für den Weltmarkt: Die Förderkosten für Tantal außerhalb des Kongo sind mehr als doppelt so hoch wie im Kongo, da können Firmen mit Lagerstätten anderswo nicht mithalten. Deshalb wurden so berühmte Lagerstätten wie Wodgina in Australien oder Tanco in Kanada geschlossen oder arbeiten am Existenzminimum, weil sie mit den kongolesischen Preisen nicht mithalten können.
Den meisten Menschen ist natürlich nicht bewusst, wieviel Blut am Tantal in ihren Handys oder anderen Geräten steckt. Hier zu reagieren ist auch nicht einfach, denn zu fordern, deshalb auf Handys zu verzichten, geht natürlich ganz an der Realität vorbei. Der bessere Weg ist, auf die Firmen einzuwirken, besser auf die Herkunft ihrer Rohstoffe zu achten und nicht Kriegstreibern auch noch ihre Waffenkäufe zu finanzieren. Dies ist natürlich nicht so einfach, denn ein Großteil des kongolesischen Material wird aus dem Land geschmuggelt und kommt mit ganz anderen Herkunftsangaben auf den Markt. Hier dann die Herkunft von Erz zu verifizieren, ist schwierig und letztendlich auch teuer.
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover arbeitet an einer Methode, mit der solche Nachweise getroffen werden können. Alle Erze enthalten auch Spurenelemente, die in ihrem Gehalt und in ihren Verhältnissen von Lagerstätte zu Lagerstätte unterschiedlich sind. So kann durch aufwendige Analysen ein Rohstoff einer bestimmten Lagerstätte (z.B. Kongo oder nicht Kongo) zugeordnet werden. Allerdings ist das nur möglich, wenn entsprechende gesicherte Vergleichsproben zur Verfügung stehen, und das ist gerade für die Lagerstätten in den Kriegsgebieten oft noch nicht der Fall.
Natürlich kann der einzelne Bürger in den vorliegenden Fällen nicht viel tun, aber er kann dazu beitragen, ein gesellschaftliches Klima zu erzeugen, das die metallverarbeitenden Firmen dazu bringt, öfter nach der Herkunft ihrer Rohstoffe zu fragen und gegebenenfalls auch etwas mehr Geld für weniger blutbelastetes Tantal (und Niob) auszugeben.

Rupert Hochleitner, Staatssammlung für Mineralogie, München

 

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