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Erich Offermann, 1920-2009

Im Alter von 89 Jahren starb Erich Offermann am 10. Dezember 2009 in Arlesheim. Wir haben in ihm einen kompetenten, international überaus geschätzten Mineralogen, einen exzellenten Fachmann der Kristallographie verloren.

Erich Offermann wurde am 28. Februar 1920 in Zürich als ältestes von drei Geschwistern geboren. Nach Schulzeit und Matura befolgte er den Wunsch des Vaters, das Jurastudium auszuüben, obwohl seine ganze Liebe der Mineralogie gehörte. Seinen Berufseinstieg als Jurist begann Erich Offermann 1949 im Pharmakonzern Ciba Geigy. Er war verantwortlich für das internationale Vertragswesen. Neben seinem arbeitsintensiven Beruf fand er Ausgleich im Fotografieren, das ihn ein Leben lang faszinierte.

Nach seiner Pensionierung im Jahre 1968, den stets ungeliebten Beruf hinter sich lassend, widmete er sich mit Leidenschaft der Mineralienfotografie. Kontakte zu Alex Kipfer und Werner Lieber, seinen Vorbildern in Fotografie und Mineralogie, wurden geknüpft. Zusammenkünfte mit ihnen brachten ihn seinen fotografischen Zielen näher. Erich Offermann war ein Mineralienfotograf der ersten Stunde. Mit seiner Minolta 101 brachte er es, einfachste Mittel einsetzend, zur Meisterschaft in der Makrofotografie. Seine Fotos und Artikel waren bei Fachzeitschriften und Verlagen in der Schweiz, Österreich und Deutschland geschätzt und gefragt. International bekannt, besonders in den USA, wurde er durch seine fachlich hochwertigen Vorträge. Seine häufigen Artikel im Mineralogical Record blieben nicht ohne Wirkung und ab 1975 erschien sein Name im Impressum. Bei internationalen Fotowettbewerben in Rochester erreichte er oftmals erste und zweite Plätze. Als Mitglied der Stereografischen Gesellschaft in der Schweiz wurde es für ihn bald selbstverständlich, seine Mineralien auch dreidimensional aufzunehmen. Hier experimentierte und entwickelte er eigene Techniken mit selbstgebauten Geräten. Seine 3D-Bilder konnten ab 1972 im Schweizer Strahler und in seinem Werk „Kristalle und ihre Formen“ mit Stereobrille betrachtet werden. Seine fotografische Erfahrung gab Erich Offermann in zahlreichen Kursen weiter.

Durch sein umfangreiches kristallographisches Wissen und den lebhaften journalistischen Schreibstil waren seine Artikel ebenso wie seine Fotos von Fachzeitschriften begehrt. Beiträge erschienen jahrzehntelang in Schweizer Strahler, Mineralienfreund, Aufschluss, Lapis, Mineralogical Record, sowie in Fachbüchern, Lexika und Schulbüchern. Selbst eine Serie Schweizer „Kaffeerahmdeckeli“ zierten seine Mineralienfotos! Und ein Lengenbachit-Bild aus seinem Mineralienlexikon „schaffte“ es – ohne sein Wissen (raub)kopiert – sogar bis auf eine nordkoreanische Briefmarke …

Ein weiterer Besuch in Rochester (1989) sollte nicht ohne Wirkung bleiben. Während eines Vortrags lernte er Pete Richards kennen, der das Computerprogramm Shape entwickelt hatte. Erich Offermann überzeugte sich von der Vielfalt und den unzähligen Möglichkeiten dieses Kristallzeichenprogramms. In mühevollem Selbststudium, oftmals durch Enttäuschungen entmutigt, setzte er sich mit Shape auseinander und begann zu zeichnen. Von einem einwöchigen Besuch Pete Richards‘ und seiner intensiven Wissensschulung in Arlesheim zehrte Erich Offermann lange Jahre.

So begann eine neue Phase im Schaffen von Erich Offermann. Eine Vielzahl von Zeichnungen entstand und eine Veröffentlichung wurde angedacht. Dies war die Geburtsstunde von „Kristalle und ihre Formen“ und der Gründung des „Kristallografik Verlag“. Jedoch brauchte es zwölf lange Jahre bis zur Fertigstellung des Werkes. War anfangs ein einbändiges Werk vorgesehen, erkannte man bald, dass es zum Verständnis der sehr komplexen und anspruchsvollen Materie notwendig wurde, einen theoretischen Teil und einen praktischen Teil in zwei Bände aufzuteilen. Nach erfolgreichem Verkauf in Europa, USA und Australien lag es für Erich Offermann nahe, mit der Arbeit an einem weiteren Band zu beginnen, zumal sich im Laufe der Jahre eine Vielzahl von Kristallzeichnungen angehäuft hatte. Wenige Tage vor Erscheinen seines neuen Werkes musste Erich Offermann nach einem Schwächeanfall ins Spital. Angst kam auf, er könnte die Publikation von

Band 3 nicht mehr erleben. Eiligst fertigte der Buchbinder ein Handexemplar und zwei Tage vor der Münchner Mineralienmesse fand die Vernissage im Spital statt. Stolz und Freude erfüllten Erich Offermann, als er sein drittes Werk in Händen hielt.

Erich Offermann war ein Mensch,

der mit Intensität, großem Fachwissen und Leidenschaft arbeitete. Er hatte den Mut, die „trockene“ Kristallographie durch Veröffentlichung in Fachzeitschriften, Büchern und besonders in seinem Werk „Kristalle und ihre Formen“ neu zu beleben und sie auf diese Weise einer großen Zahl von Mineralienfreunden zugänglich zu machen.— Wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

Lothar Meckel, Achberg

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Erich Offermann zu Hause in Arlesheim.
Foto: Lothar Meckel.