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Normaler Beryll - nicht Vorobyevit! (02/2015)

Blauer Beryll aus Afghanistan – ohne Cäsium!

Auf den Münchner Mineralientagen Ende Oktober 2014 erregte ein Fund tafeliger blauer Berylle aus Afghanistan beträchtliches Aufsehen. Die rund 50 angebotenen Kleinstufen und Kabinettstücke des „cäsiumreichen Berylls der Varietät Vorobyevit/Rosterit“ entstammen zwei Funden nahe Deo Darrah in der rund 1.600 km2 großen Hochgebirgsregion des Distriktes Kuran Wa Munjan, ganz im Südwesten der Nordprovinz Badakhshan. 

Ganz ähnliche Kristalle des ersten Fundes boten Händler bereits seit Juli 2014 im Internet als „Vorobyevit (Rosterit)“ an. Vergleichbare Stücke hatte Dr. Federico Pezzotta zuvor am Naturhistorischen Museum Mailand mittels EDX untersucht und keine signifikanten Cäsiumgehalte festgestellt, jedoch beträchtliche Mengen an Alkalien. 

Den allerersten „Cäsiumberyll“ beschrieb Grattarola 1880 aus Elba als Rosterit – eine tafelige rosafarbene bis bläuliche Beryll-Varietät, die reich an Alkalien ist (Ca, Mg, Na). Es folgte der Vorobyevit (Worobieffit) aus dem Ural (Vernadski 1908) und aus Madagaskar (Lacroix 1910) – ebenfalls ein tafeliger, meist rosafarbener Beryll mit hohen Gehalten an Cäsium, Lithium, Rubidium und anderen Alkalien. Zu den „Cäsiumberyllen“ zählen sicher auch die rosafarbenen Morganite aus Kalifornien (Kunz 1911), deren Farbe durch geringe ManganIII-Gehalte verursacht wird.

Mustafa Ghulam von Fine Art Minerals überließ der Lapis-Redaktion freundlicherweise zwei typische Proben der plattigen Kristalle bzw. der faserigen Kristallgruppen aus den beiden Funden von 2012 und 2013 in Deo Darrah; beide analysierte Dr. Marek Kotrly (Prag) mittels REM/EDX. Seine Resultate bestätigen die Untersuchungen des Naturhistorischen Museums Mailand: Die vermeintlichen „Cäsium-reichen“ Berylle haben keine meßbaren Gehalte an Cäsium oder Rubidium (Lithium ist mittels EDX nicht feststellbar); Scandium war ebenfalls nicht nachweisbar und Eisen ist allenfalls in Spuren vorhanden. Deutlich vertreten sind jedoch die Alkalien Magnesium und Natrium, nicht nur im blauen Kern der Tafeln [Al1.7Mg0.2Na0.4], sondern vor allem auch im faserigen weißlichen Saum der tonnenförmigen Kristallgruppen [Al1.5Mg0.5Na0.5].

Beide Funde deuten auf alpinotyp überprägte Pegmatitdrusen. Dabei wurden primäre Pegmatitmineralien, darunter Albit und polychrome Elbaite, zerbrochen und mit graugrünem Chlorit überkrustet. Später wuchsen dünne milchige „Stengelquarze“ und plattige bis faserige, deutlich zonargebaute Berylle, die ungewöhnlich alkalireich sind.

Stefan Weiß                                                       

Tafelige blaue Berylle (bis 1,5 cm) des 1. Fundes (2012) in Deo Darrah, Kuran wa Munjan, Badakshan, Afghanistan

 

 

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Alkali-reich: Zonarer bis faseriger Beryll (bis 1,5 cm) des 2. Fundes (2013) auf Stengelquarz. Stücke von Mustafa Ghulam/Fine Art Minerals, Fotos: Stefan Weiß und Albert Russ

 

 

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