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Börsenbericht 2. Changsha (China) Mineral and Gem Show (CMGS)

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Vom 15. bis zum 20. Mai 2014 fand in Changsha, der Hauptstadt der Provinz Hunan, die zweite Mineral- und Edelstein-Messe statt. Über die Größe der Stadt findet man im Internet die verschiedensten Angaben. Die Einwohnerzahl schwankt dort zwischen 2,5 und 20 Millionen. Auch die Organisatoren wussten das auf meine Anfrage nicht so genau, vermuten aber so um die 7 Millionen. Na ja, das ist auch immerhin das Doppelte von Berlin. Es ist eine der typischen chinesischen Metropolen, wo die Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden schießen. In Changsha stehen alleine auf der Ostseite des Xiang Jiang mehr als 700 Wolkenkratzer. In den nächsten 10 Jahren sollen die westlich des Flusses gelegenen Stadtteile futuristisch umgestaltet werden und weitere Hunderte von Wolkenkratzern gebaut werden. Das sind Zahlen, die man sich bei uns überhaupt nicht vorstellen kann. Auch wenn man Hochhäuser nicht mag (ich komme schließlich aus der Kleinstadt Freiberg), ist es schon ziemlich beeindruckend, zu sehen, wie sich hier alles entwickelt.

Die Show wird mit Unterstützung der Provinzregierung von Hunan und dem Ministerium für Land und Ressourcen der Volksrepublik China im Hunan Conference and Exhibition Center veranstaltet. Zur Eröffnung sprachen führende einheimische Politiker, Botschafter ressourcenreicher Länder und der Chairman der IMA-Kommission der Museen, Dr. Federico Pezzotta.

Die Ausstellung findet in zwei riesigen, übereinander liegenden Hallen statt. In der ersten Ebene werden vorwiegend Minerale, Edelsteine, Meteoriten und Fossilien angeboten. In der zweiten Ebene sind die Schmuckhändler zu finden. Laut den offiziellen Zahlen, die ich jetzt nicht weiter kommentieren möchte, gab es 1.500 Stände mit 1.700 Händlern, wovon 500 aus dem Ausland waren. Darunter waren namhafte Händler aus den USA (Rob Lavinsky – The Arkenstone und Brian Lees – The Collectors Edge), Frankreich (Minerama), Italien (Marco Tironi) und Deutschland (Red Gallery – Andreas Guhr), die Stufen von Museumsqualität in wunderbar dekorierten Vitrinen ausgestellt hatten. Aber auch die Stände einiger chinesischer Händler brauchten den Vergleich mit den genannten Händlern hinsichtlich Qualität der Stufen, Art der Ausstellung und auch der Preise nicht zu scheuen (Zheng Fine Mineral, Tasstone). Die  offiziell 160.000 Besucher aus mehr als 70 Ländern, von denen 7 % aus Übersee stammen sollten, sahen insgesamt ein sehr breites Spektrum, das sich im Vergleich zum letzten Jahr sehr zum Positiven verändert hat. Riesige Großstufen bis zu 3 Meter Länge gab es auch noch zu sehen, sie dominierten aber nicht mehr die Gesamtzahl der Objekte. In diesem Jahr wurden auch viele Stufen in handlichen Formaten bis hin zu Kleinstufen, ja sogar Micromounts angeboten. Und das erfreuliche: es gab auch Preise im zwei- und dreistelligen Bereich. Es wurde auch lobend im offiziellen Report hervorgehoben, dass sich viele Kinder kleine Mineralstufen als Andenken bzw. als Beginn des Aufbaus einer eigenen Sammlung leisten konnten.

Was gab es nun zu sehen? Fangen wir in der ersten Ebene an. Aus dem Gastgeberland kamen natürlich die meisten der angebotenen Minerale. Hervorzuheben waren hier Stufen aus der Lagerstätte Huanggang in der Inneren Mongolei. Eine ganze Reihe von Ilvait-Stufen mit bis zu 20 cm langen und hoch glänzenden Kristallen war darunter besonders bemerkenswert. In Summe war die Lagerstätte allerdings nur mit relativ wenigen Stufen vertreten. Die von dort bekannten Minerale Andradit, Genthelvin, Prasem, Pyrrhotin, Arsenopyrit, Löllingit, Fluorit und Calcit konnte man nur vereinzelt finden, aber in sehr guter Qualität. In Shangbao/Hunan wurden neue Fluorite gefunden. Die teilweise intensiv violett gefärbten Kristalle zeigten die Kombination aus Würfel und Rhombendodekaeder, wobei letztere Form dominierte. Die Fluorite sitzen auf weißem Dolomit und können noch mit Quarz und Pyrit vergesellschaftet sein. Es wurden auch wieder neue Stufen mit Chalkopyrit und Siderit aus der Kaiwu Mine in Guizhou gefunden. Auf einigen Stufen saßen auch sehr schöne Tetraedrite. Auch von der bekannten Fundstelle Xianghuapu kamen neue Funde. Erstmalig traten die grünen Fluorite als reine Rhombendodekaeder auf!  Von Xiangfanglin kommen grüne Fluorite mit flachrhomboedrischen Calciten, die absolut den von früher aus Xianghuapu bekannten Stufen ähneln: Fluoritwürfel, kombiniert mit dem Rhombendodekaeder.  Beide Fundstellen befinden sich im Südwesten der Provinz Hunan unweit der Bezirksstadt Chenzhou. Von der Quarz-Baryt-Fundstelle Jinkouhe in Sichuan wurden wieder neue „Fensterbaryte“ gefunden, die bis zu 15 cm groß waren. Kristallisiertes Gold aus der Kangding Mine in Sichuan war nur bei Zheng Fine Mineral zu sehen. Die Stufen waren reich besetzt und bis zu 20 cm groß. Einige Händler hatten sehr schöne Smaragdstufen von Malipo. Der Blickfang war allerdings gleich gegenüber dem Haupteingang die „Empress of China“ – eine phantastische Rhodochrositstufe aus der Wutong Mine in Guangxi bei The Collectors Edge. Es wurde gemunkelt, dass sie einen neuen Eigentümer gefunden haben soll. Unter den vielen XXL-Großstufen dominierten die Minerale Fluorit, Calcit und Quarz. Mich beeindruckten allerdings auch bis zu drei Meter breite Stufen mit meterlangen Gipskristallen. The Arkenstone hatte eine größere Suite feinnadeliger Krokoite aus der Adelaide Mine in Tasmanien und einen ca. 60 cm langen Spodumenkristall aus dem Mawi-Pegmatit in Afghanistan zu bieten. Der Kristall war absolut klar durchsichtig und zeigte Bereiche der beiden Varietäten Kunzit und Hiddenit. Einen ganzen Tisch voll intensiv grüner Hiddenite gab es bei einem pakistanischen Händler zu bestaunen. Intensiv braune Topase, Aquamarinstufen aus dem Hunzatal und durchsichtige, orange gefärbte Mikrolithkristalle auf weißem Mikroklin vervollständigten das Angebot aus Pakistan. Vom Jebel Ouichane in Marokko waren sehr schöne hellblaue Barytstufen zu sehen. Marko Tironi brachte eine große Zahl leuchtender Schwefelstufen aus Sizilien. Stalaktitischer Malachit aus der Gegend von Lubumbashi in der Demokratischen Republik Kongo gab es in verschiedenen Größen, die Stufen waren alle in kunstvoll geschnitzte Sockel eingelassen. Der indische Händler Pandi hatte wieder eine Vielzahl von Drusenmineralen aus dem Dekkan ausgestellt. Die größte „Stufe“ (Apophyllit mit Stilbit und Heulandit von Jalgaon) hatte ein Gewicht von fast zwei Tonnen. Neben den Mineralen gab es ein großes Angebot an Meteoriten. Hier waren vor allem russische Händler aktiv. Auch das Fossilienangebot war sehr vielfältig. Es reichte vom kompletten Sauriereiernest, über Platten mit Fischen und Seelilien, Ammoniten und Trilobiten, Haifischzähnen bis hin zu ganzen Skeleten diverser Tiere. Neben den Fossilienhändlern gab es auch eine Sonderausstellung, wo die Skelette verschiedener Saurier, Bären und Säbelzahntiger gezeigt wurden. Unter den Objekten befand sich auch das weltweit am besten erhaltene Mammutskelett aus Sibirien. In der zweiten Etage wurden Edelsteine und Schmuck angeboten. Unter den Edelsteinen dominierten Farbsteine, wie Tanzanit, Spinelle, Saphire und Rubine, aber auch Aquamarin, Smaragd und Quarzvarietäten waren reichlich vorhanden. Jade in allen Nuancen spielte die Hauptrolle im Schmuckbereich. Es waren aber auch viele ansprechend gestaltete Vitrinen zu bewundern mit hochwertigem Schmuck. Endlose Meter an Kettensträngen, wie wir sie von unseren großen Börsen kennen, waren hier nicht zu sehen. So machte es wirklich Spaß, auch durch diese Etage zu gehen. Ein besonderes Highlight war in dieser Etage die Sonderschau, die aus zwei Teilen bestand. Unter dem Motto „Special Exhibit of World well-known Mines“ wurden einige XXL-Großstufen aus Hunan gezeigt. Minerale aus den drusenreichen Steinbrüchen und Brunnenbauprojekten des indischen Dekkanplateaus, Rhodochrosite aus der Sweet Home Mine, Edelsteinminerale aus Pakistan und Afghanistan und opalisierte Fossilien aus Australien nahmen den Großteil der Ausstellung ein. Innerhalb dieser Sonderschau gab es dann einen Extrabereich, in dem Edelsteine aus der Region Mogok in Myanmar in gezeigt wurden. Der bekannte Händler Federico Barlocher hat aus seiner Sammlung sowohl Kristalle als auch geschliffene Steine in beachtenswerter Größe und Qualität für diese Schau zur Verfügung gestellt. Star der Schau war sicherlich der mit 1.700 Karat größte bisher in Mogok gefundene Rubin, „the King of Mogok“, der spektakulär in Szene gesetzt wurde. Aber auch „the Rose of Asia“, die größte und schönste Rubellitstufe aus Paprok in Afghanistan, die man ansonsten im Naturkundemuseum in Mailand bewundern kann, kam hier schön zur Geltung. Für Mineralogen und Sammler dürfte dieser Bereich auch deshalb interessant gewesen sein, weil die bekannten Rubine und Spinelle in der Unterzahl waren. Zirkone in den verschiedensten Farben, Skapolith, Peridot, Poudretteit, Taaffeit, Johachidolit, Diopsid, Danburit, Scheelit, Mondstein und Petalit waren hier zu bewundern. Federico Barlocher war sogar häufig in der Sonderschau anzutreffen, um Fragen der Besucher und Journalisten zu beantworten.

Die Veranstalter haben sich auch große Mühe gegeben, etwas für die Popularisierung der  Geowissenschaften zu tun. In der ersten Ebene gab es einen Bereich, wo Kinder unter Anleitung von freiwilligen Helfern Gold waschen und Fossilien ausgraben konnten. In der zweiten Etage hatten einige Organisationen aufwendige Stände aufgebaut, wo auf die Schönheit der Natur, geologische Besonderheiten, die Entwicklung des Lebens und die Verwendung von Rohstoffen aufmerksam gemacht wurde. Es gab auch einen großen  Forumsbereich, in dem Vorträge und Filme zu den genannten Themen angeboten wurden.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich vieles verbessert. Für die Besucher gab es ausreichende Möglichkeiten, sich mit Getränken und Speisen zu versorgen. Von chinesischer und italienischer Küche, über Cafe’s bis hin zu McDonald‘s war hier sicher für Jeden etwas dabei. In der ersten Etage gab es auch Bankschalter und Geldautomaten, wo man problemlos Geld holen oder umtauschen konnte. Die Händler waren in diesem Jahr auch durchweg zufrieden. Die Stände waren fertig, das Material war alles zu Beginn der Messe da. Auch in diesem Jahr kam es vor, dass gesamte Stände ausverkauft waren. So sollte man den letzten Tag meiden, da hier schon einige Stände leer sind bzw. viele Händler mittags anfangen, zusammen zu packen. Mehr als 300 freiwillige Studenten aus den sieben Universitäten von Changsha wurden eingesetzt, um ausländischen Händlern und Gästen als Übersetzer zur Seite zu stehen oder die Aktivitäten für Kinder zu betreuen.

Parallel zu der Show findet eine mehrtägige, international besetzte Konferenz in modern ausgestatteten Räumlichkeiten statt. Zu dieser Konferenz muss man allerdings eingeladen sein oder sich im Vorfeld anmelden. Als Messebesucher kann man da nicht einfach mal hingehen. Aber das wird sich vielleicht auch ändern. Das Thema der Tagung stand unter dem Motto „Science popularization and internationl communication“. Für mich war der letzte Tag besonders interessant, als im Forum der Geo- und Naturkundemuseen über die Bedeutung museumspädagogischer Arbeiten und deren sozialen Impakt diskutiert wurde. Ich durfte dort schon zum zweiten Mal einen Plenarvortrag halten und die Aktivitäten für Kinder und Jugendliche in unserer terra mineralia in Freiberg vorstellen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die 2. Changsha Mineral and Gem Show für mich ein großartiges Erlebnis war. Als Besucher habe ich eine weitgehend perfekt organisierte Veranstaltung gesehen. Die Veränderungen zum Vorjahr sind alle positiv, so dass man den Organisatoren bescheinigen kann, dass sich die Messe auf einem guten Weg befindet, zu einer der weltweit führenden Veranstaltungen dieser Art zu werden. Wenn weiterhin die großzügige staatliche Unterstützung fließt, wird sie sehr bald sogar den Spitzenplatz einnehmen.

Andreas Massanek

2. Changsha Mineral & Gem Show 

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