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Christian Weise — zum 70sten (10/2012)

Was wäre die Mineralienwelt ohne Christian Weise? Kleiner, weniger farbig, weniger vielfältig, weniger global? Auf alle Fälle ganz anders! Gibt es eigentlich einen Sammler, der nicht einmal mit einem der Fundstellenbücher des Christian Weise Verlages seine Exkursion vorbereitet hat?
Man muß sich das einmal richtig vorstellen: Mitte der 1970er Jahre waren Fundstellen noch Herrschaftswissen, die Information über sie wurde nur von Person zu Person weitergegeben. Und da erscheint plötzlich ein Buch mit zahlreichen Fundstellenbeschreibungen, Karten, genauen Informationen. Nicht eine Aufzählung von alten Kamellen, sondern richtige echte aktuelle Fundstellen. Heute ist das nichts Besonderes, doch damals war das unglaublich. Es gab ja sonst nichts, auch keine Verlagsräume.
Das, was heute weltweit als Christian Weise Verlag bekannt ist, begann in der Privatwohnung. Dort wurden die Pakete geschnürt und persönlich zur Post gebracht. Jeden Tag mehr, denn die Sammlerszene hatte darauf gewartet – und Christian Weise war der, der die Wünsche erfüllte. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich als Schüler in der gar nicht so kleinen Heimatstadt Passau ein Mineralogiebuch erwerben wollte – unmöglich. Und da flattert ganz plötzlich Christian Weise in unsere Wohnung – in Form seiner Bücherliste. Auch wieder etwas, was es vorher nicht gegeben hatte: Auf beeindruckender Seitenzahl, ich weiß nicht mehr, waren es vier oder sechs, war eine Vielzahl von Büchern aufgelistet, die sich mit Mineralogie und Mineraliensammeln beschäftigten. Allein die Liste war schon interessanter Lesestoff für mich, fast wie ein Buch.
Weil ich nur ein Buch kaufen konnte, war die Auswahl schwer, aber letztendlich richtungsweisend für meine zukünftige Laufbahn: Ein richtiges Fachbuch, das Lehrbuch der Mineralogie von Betechtin. Und das Beste kam noch: Der Christian Weise Verlag schickte mir das Buch einfach zu, ohne Vorauszahlung, auf Rechnung, obwohl er mich doch gar nicht kannte. Sehr beeindruckend, dieses Vertrauen in die Menschheit, zumindest in den mineraliensammelnden Teil.
Das mag jetzt zwar lustig klingen, ist aber ernst gemeint. Heute in den Zeiten von Internet und Amazon sind ein paar Seiten mit Büchern nichts besonders, damals aber – und das ist ein ganz bedeutsamer Verdienst von Christian Weise – war das ein Meilenstein in der Verbreitung mineralogischen Wissens. Hier war, ganz einfach und leicht erreichbar, die Information, die man in einer normalen Buchhandlung nicht bekam. Bedeutsam war gar nicht so sehr, dass man diese Bücher alle im Kristalldruse-Versand kaufen konnte, bedeutsam war, dass man auf ganz einfache Art und Weise erfahren konnte, wie viele Bücher es über dieses Thema schon gab. Damit wurde ein Lesebedürfnis geweckt, das eine ganze Generation von Sammlern zu kleinen Wissenschaftlern machte. So etwas muß natürlich gepflegt werden, wer ein Buch liest, will ein zweites haben, möglichst jeden Monat etwas Neues. Und wer konnte dieses Bedürfnis befriedigen, wenn nicht Christian Weise, immer mit dem Ohr an den Wünschen der Sammler.
Die Zeitschrift LAPIS wurde geboren, immer innovativ, immer vorwärtstreibend, immer wieder neu und aktuell – und das jeden Monat! Wer sich intensiv mit seinem Hobby beschäftigen wollte, der musste LAPIS einfach haben. Gerade die heutige Generation weiß aber auch, dass so ein Hype schnell wieder vorbei sein kann und dass eine Zeitschrift lange Zeit viel Geld frisst und keines liefert. Das mussten viele Herausgeber von ähnlichen Zeitschriften, die – mal langsamer, mal schneller – wieder verschwanden, bitter lernen. Umso mehr ist es Christian Weise hoch anzurechnen, dass er nicht aufgab, dass er die Zeitschrift immer weiter trieb, bis sie heute zur weltweit größten ihrer Art wurde.
Bei all dem könnte man meinen, dass er für nichts anderes Zeit hätte, als für sein Hobby, das er zum Beruf gemacht hat. Aber weit gefehlt. Die Botanik war ihm immer ein geliebtes Betätigungsfeld, sein Garten Experimentierfeld für alle möglichen Arten von Pflanzen. Auch vor der Lapis-Redaktion machte das nicht halt, da stand alles Mögliche auf den Fensterbrettern, vom Discocactus crystallophilus (natürlich!) bis hin zu den unterschiedlichsten, aus Samen gezogenen Tomatenpflänzchen. Wir waren alle sehr skeptisch, als er von einem Besuch in Kiew wegen eines Artikels über die Pegmatite von Wolodarsk Samen mitbrachte und daraus schwarze Tomaten zog – und das nach Tschernobyl! Niemand wollte sie essen. Apropos essen: Die besten Tomaten meines Lebens stammten aus dem  Weise´schen Garten.

Rupert Hochleitner

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