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Bronzezeitliches Teamwork: Cornisches Gold in der Himmelsscheibe von Nebra!

Vor über 3600 Jahren schufen bronzezeitliche Künstler die „Himmelsscheibe von Nebra“. Diese grünlich angelaufene, 32 cm große und zwei Kilo schwere Bronzescheibe mit ihren Goldauflagen von Mond und Sternen gilt als älteste konkrete Abbildung des Nachthimmels.
Bereits ihre Entdeckung schrieb 1999 Kriminalgeschichte: Auf dem Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt hatten zwei Einheimische die Scheibe und weitere bronzene Kultgegenstände mit Metallsuchgeräten aufgespürt und illegal geborgen. Für nur 16.000 Euro wechselte der damals noch unerkannte archäologische Sensationsfund an einen Kölner Hehler, der die Scheibe für 500.000 Euro auch dem Berliner Museum für Frühgeschichte anbot. Man lehnte den Ankauf ab, weil der Fund laut Gesetz dem Land Sachsen-Anhalt zustand. Dessen zuständiger Archäologe Harald Meller verfolgte ab Sommer 2001 die Spur weiter. Gemeinsam mit den Schweizer Behörden beschlagnahmte er die Bronzescheibe im Februar 2002 in Basel, wo man sie für 700.000 Euro offeriert hatte. Hehler und Raubgräber erhielten Bewährungsstrafen, die Scheibe wurde an das Landesmuseum in Halle/Saale überführt, wo sie aufwändig restauriert wurde und seit Mai 2008 in einer Dauerausstellung zu sehen ist.
Doch woher stammte das Gold und die Metalle Kupfer und Zinn in der Bronzelegierung? Auch hier war kriminalistische Detektivarbeit erforderlich: Mittels zerstörungsfreier Röntgenspektroskopie und Ionensonde (ICP-MS) verglich man mehr als 4000 bronze- bis eisenzeitliche archäologische Goldfunde und analysierte natürliche Goldproben aus mehr als 150 europäischen Lagerstätten – vom Thüringer Schiefergebirge über die Ostalpen bis in das „Goldene Viereck“ Rumäniens.
Der geochemische „Fingerabdruck“ diverser Spurenelemente (u.a. Ni-Cu-Pd-Sb-Pt) und der Blei-Isotope scheint eindeutig: Das Gold ebenso wie das Zinn stammen aus dem Carnon Valley bei Falmouth in Cornwall, das den Ostteil des Erzrevieres Camborne–Redruth hinunter zur Kanalküste entwässert (→Lapis 2/1986, S. 16 ff.). Funde von früh-bronzezeitlichen Werkzeugen weisen darauf, dass nahe der Siedlung Devoran küstennahe Flußseifen mit Zinnstein und silberhaltigem Gold ausgebeutet wurden, wobei der Meeresspiegel damals noch 4-4,5 m niedriger als heute lag. Doch das Kupfer lieferte eine Überraschung: Es stammt offensichtlich aus Mitterberg bei Salzburg, die als mineralreiche prähistorische Kupferlagerstätte bekannt ist (→Lapis 5/1978).
So bestanden schon in der frühen Bronzezeit weitläufige Handelswege und ein intensiver kultureller Austausch zwischen den Britischen Inseln, Mitteldeutschland und den Ostalpen.

nebrascheibeGold und Zinn aus Cornwall, Kupfer aus Mitterberg im Salzburger Land: Die einzigartige Himmelsscheibe von Nebra – zu sehen im Landesmuseum Halle/Saale – mißt 32 cm und zeigt eine typisch grüne Patina. Foto: ©Dbachmann Creative Commons, Wikimedia.org

 

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