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Editorial 01/2016

 

Liebe Lapis-Leser!

Als im Oktober 2013 die ersten russischen Goldkristalle – ungewöhnliche Würfel im „Pyrit-Habitus“ – auf den Münchner Mineralientagen auftauchten, sorgten sie für ungläubiges Staunen. Waren die wirklich echt? Oder etwa gekonnt gegossen und nachbearbeitet? Ein Jahr später gab es sogar noch verrücktere Goldwürfel „vom Fluß Bodajbinka“ zu sehen, verwachsen mit rostbraunen Pyritkristallen, dazu große skelettartige Gold-Oktaeder auf Quarz. Nun kamen Fachleute zum Zuge, mit Röntgengerät und Mikrosonde – und einige Würfel wurden sogar zersägt.

Vom „Katzengold“ zum Edelmetall

Inzwischen steht fest: Die gerieften Würfel sind echt, offensichtlich Pseudomorphosen nach Pyrit, denn in ihrem Innern können noch Reste dieses Eisensulfides sitzen. Auch die spektakulären oktaedrischen Skelettkristalle sind natürlich entstanden und wurden nicht auf ihre Quarzmatrix montiert. Der Artikel von Rolf Wolf in dieser LAPIS-Ausgabe präsentiert nicht nur spektakuläre Goldkristalle samt ersten Untersuchungsergebnissen, sondern liefert auch interessante Hintergrundinformationen zum Fundgebiet „Bodaibo“ in der nördlichen Baikalregion. Das nur mit Flußschiffen oder Flugzeugen erreichbare Bodaibo ist Hauptort der „Lena-Goldfelder“, die mit gut 65.000 Quadratkilometern die Größe Bayerns einnehmen. Und wenn die Russen Rohstoffe suchen, backen sie keine kleinen Brötchen. Dies galt nicht nur für die Uranprospektion in Ostdeutschland oder für die Quarzkristallsuche im Polar-Ural, sondern auch für die Goldsuche im Süden Sibiriens: Allein im Suchoi Log nordöstlich Bodaibo wurden in den Jahren 1971-1977 Schurfgräben in einer Gesamtlänge von mehr als 110 Kilometern angelegt und über 13 km an Stollen und Schächten vorangetrieben.
In der Umgebung dieser riesigen Goldlagerstätte, wo das Gold an pyritvererzte Schwarzschiefer und Phyllite des Präkambriums gebunden ist, stießen die Geologen immer wieder auf Goldquarzgänge – und im Taleinschnitt eines kleinen Flusslaufes, des Ust-Urjach, ließen sich die Goldstufen damals angeblich „wie Pilze auflesen“. Gut zwei Jahrzehnte später war 1993-1996 sogar eine ausländische Prospektionsgesellschaft – die Star Mining Corporation aus Sydney, Australien – erneut im Gebiet zwischen Bodaibo und Suchoi Log aktiv. Ist es ein Zufall, dass zu jener Zeit die ersten „Gangstücke“ mit Goldwürfeln aus den Lena-Goldfeldern in den Westen gelangten? Die Fundgeschichte scheint jedenfalls genauso spannend zu sein wie die Entstehung solch exotischer Goldkristalle, bei der sich „Katzengold“ in echtes Gold umwandelte!

Mineralien und Fossilien als „Kulturgut“ – Ministerium in der Defensive

Im „Aktuell“ unserer Novemberausgabe und im Internet sind wir erstmals auf die geplante Neufassung des umstrittenen Kulturgutschutzgesetzes eingegangen. Noch im Oktober waren Vertreter der Museen und Sammlerverbände – darunter auch der DMF – nach Berlin gereist, um im zuständigen Ministerium ihre Bedenken und Änderungswünsche vorzutragen. Nun ist die Antwort des Ministeriums da – doch dieses „Hintergrundpapier zum Bereich der Paläontologie“, das wir auf www.lapis.de komplett vorstellen, läßt praktisch alle Fragen offen.
Nach dem Motto: Ist doch alles halb so schlimm, weil „90% aller Fossilfunde lediglich einen geringen oder gar keinen wissenschaftlichen oder kommerziellen Wert haben“. Immer noch nicht definiert wird, was eine „Sammlung“ ist und wo denn nun die Wertgrenze für „schützenswerte“ Einzelstücke liegt – denn als Beispiel für die Harmlosigkeit des Gesetzes gegenüber Sammlern dient immer nur das Beispiel einer millionenschweren Rarität wie „Archäopterix“ oder „Urpferd“!
Keine Hilfe sind hier weichgespülte Sätze wie der folgende: „Fossilien werden daher – von wenigen herausragenden Exemplaren abgesehen – im deutschen Recht ebenso wenig als »Kulturgut« betrachtet wie etwa grundsätzlich auch Mineralien oder geologische Proben.“ Solche Aussagen sollen nur den oberflächlichen Leser beruhigen. Denn wenn eine ganze „Sammlung“ bereits ab einem vergleichsweise geringen Wert von 50.000 € als potentiell „schützenswert“ gilt und für ihre „Ausfuhr“ in Nicht-EU-Staaten (und die gibt´s auch mitten in Europa!) eine Exportgenehmigung erforderlich sein soll, dann sind viele Sammler und Händler zu Recht beunruhigt.
Fazit: Die Freigrenzen für Einzelstücke und für noch zu definierende Sammlungen müssen klar benannt bzw. deutlich angehoben werden.

Mit herzlichem Glück Auf! Ihr Stefan Weiß

Ein besonderes „Kulturgut der Natur“ ist der neue Riesendiamant aus Botswana (siehe unter News) – doch er wird wohl verschliffen werden. Ist das dann ein Verstoß gegen das „Beschädigungsverbot“ des internationalen Kulturschutzes? Foto: www.lucaradiamond.com

 

 

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