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Editorial 01/2015

 

Liebe Lapis-Leser!

Die Behörde greift ein

Ein deutscher Mineralienhändler, der sich seit vielen Jahren auf den Verkauf von Krokoitstufen aus Tasmanien spezialisiert hat, erlebte Ende Oktober 2014 auf den Münchner Mineralientagen eine böse Überraschung.
Ein Mitarbeiter des Gewerbeaufsichtsamtes konfrontierte den Händler mit „Mängeln im stoff- 
lichen Verbraucherschutz“, mit deren 
Durchführung „unverzüglich zu beginnen“ sei. Auf gut Deutsch: Seine angebotenen Krokoitkristalle seien giftig, entsprechend einer Liste „Giftige Minerale“ samt dem Sicherheitsdatenblatt der chemischen Substanz Pb(II)-Chromat, einem gelborangen Pulver.
Der Händler argumentierte, dass das Blei-Chromat Krokoit in diesem Fall in bestens kristallisierter Form gebunden ist und eben nicht als feines Pulver vorliegt; es findet auch keine Oxidation oder ein Zerfall statt, wie er etwa bei Realgar oder Auripigment möglich ist. Doch das nützte nichts.
Mit sofortiger Wirkung wurde ihm u.a. auferlegt, 
„die angebotenen gefährlichen Mineralien entsprechend dem geltenden Chemikalienrecht (CLP-VO) zu kennzeichnen“, einschließlich des Sicherheitshinweises „P102 – darf nicht in Hände von Kinder [sic!] gelangen.“

Auf der Giftliste …

Das Gewerbeaufsichtsamt bezieht sich dabei auf eine schon länger zirkulierende Liste „Giftige Minerale“, die selbst alltägliche, sammlerisch geschätzte und weit verbreitete Mineralien wie Galenit (Bleiglanz), Cerussit oder Vanadinit als „giftig“ eingestuft. Erstellt hat sie einer, der es eigentlich wissen sollte: Ein Mineraloge, der übrigens auch Vertreter der „Steinheilkunde“ berät. Diese Liste deckt sich weitestgehend mit der Aufstellung in einem 2009 verfassten Artikel „Giftige Mineralien“, der wegen starker fachlicher Mängel 
von der Lapis-Redaktion abgelehnt worden war.

Blei + Chrom = Gift?

Eines ist klar: Bestimmte chemische Verbindungen, und dazu zählen auch Krokoit und Malachit, wirken definitiv giftig – aber eben nur als feinste Pulver und Stäube! Darauf wurde auch in Lapis immer wieder hingewiesen, zuletzt auch hinsichtlich der Uranglimmer (L 3/2014, S. 26-27). So tragen auch die Sicherheitsdatenblätter der natürlichen Farbpigmente Krokoit und Malachit zu Recht die Klassifikation „sehr giftig“ bzw. „gesundheitsschädlich“. Denn dies gilt für den Arbeitschutz an Orten, an denen solche Stäube entstehen oder Schaden anrichten können – etwa im Bergbau „vor Ort“, in Schleifereien oder in Fabriken, die Farbpigmente herstellen.
Doch wir kennen keinen Fall, bei dem sich Mineraliensammler an Kristallstufen vergiftet hätten. Sie etwa?

Mineralien sind keine 
Chemikalien!

Im vorliegenden Fall hat eine offensichtlich überforderte Behörde aufgrund fehlender Spezialkenntnisse alles über einen Kamm geschoren. Folgt man dieser Argumentationskette, deren Grundlagen kritiklos aus dem Internet gegoogelt worden sein könnten („Blei + Chrom = Gift“), darf man dann noch Spaghetti im chromlegierten Edelstahltopf kochen? Oder müssen demnächst die Malachitsäulen der weltberühmten Eremitage in St. Petersburg entsorgt werden? (zum Glück ist Russland nicht in der EU!)
In Zeiten, in denen die Leistung von Politikern nach der Zahl verabschiedeter Gesetze und Verordnungen gemessen zu werden scheint, tut eine Pause not. Zum Nachdenken. Realistisch werden. Vernunft vor „Schema F“ setzen.
Und den Hauptartikel über die abwechslungsreichen 
– und garantiert ungiftigen – Quarzkristalle aus einem berühmten europäischen Bergbaurevier genießen!


Stefan Weiß

 

Krokoit mit Giftwapperl: Sieht so die Zukunft des Mineraliensammelns aus? Foto: Earth and Planetary Science Materials, mit behördlich korrekter Kennzeichnung ...

 

 

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