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Wie alt ist mein Mineral? Nur selten wird man als Mineraliensammler darüber nachdenken, wann die Kristalle, die man getauscht, gekauft oder aus dem Berg gegraben hat, denn eigentlich entstanden sind. Es ist auch einfach schwer vorstellbar: oft haben sie Dutzende bis Hunderte Millionen von Jahren auf dem Buckel, das Alter mancher Diamanten und anderer Edelsteine geht sogar in die Milliarden. Geradezu jugendlich erscheint da ein „nur“ 10 Millionen Jahren alter Bergkristall aus einer Kluft unserer Alpen! Und geradezu „in letzter Minute“, vor einigen Zehntausend Jahren, kristallisierten die Mineralien der Vulkaneifel ... Ein naturgeschichtlicher Wimpernschlag – oft nur wenige Dekaden – sind die mehr oder weniger bunten Kristallkrusten, die Micromounter auf alten Bergwerkshalden schürfen. Doch die jüngsten sammelwürdigen Mineralbildungen verdanken wir aktiven Vulkanen. Einige sind wirklich gefährlich, andere stören nur den Flugverkehr – und manche sind sogar echt „nützlich“: sie produzieren laufend Mineralien für uns Sammler!   Seltene Sulfosalze am Kraterrand Einer dieser „nützlichen“ Vulkane liegt auf den Liparischen Inseln in Süditalien. Nein, es ist nicht der Stromboli mit seiner spektakulären touristischen „Feuershow“, sondern ein eigentlich recht öder Krater auf der Insel Vulcano. Auf seinem Ostrand stoßen aktive Gasquellen (Fumarolen) täglich enorme Mengen an stinkenden Schwefeldämpfen aus. In den 1920er Jahren heizte sich diese „Hexenküche“ enorm auf – bis auf 600°C – und einige Jahre lang setzten sich seltene Sulfosalze ab, darunter der damals „brandneue“ Cannizzarit. Noch 100 Grad heißer wurden die Fumarolen auf dem La Fossa-Kraterrand in den Jahren 1990-1993 und Vulkanologen mahnten bereits vor einem neuen Ausbruch: Der gelbe Schwefel brannte weg, die „Tore zur Hölle“ färbten sich grauschwarz – und erneut setzten sich bestens kristallisierte Sulfosalze als dicke grauglänzende Krusten ab. Damals konnten Forscher aus Italien und der Schweiz ganz ausgezeichnete Stufen bergen. Dann sanken die Temperaturen wieder, bis auf 450 bis 250°C in den Jahren 2006-2008.   Chemielabor der Natur Die Sulfosalze verschwanden, die Fumarolen färbten sich wieder gelb – doch nun setzten sich nicht nur Schwefelkrusten ab, sondern auch seltene Blei-Chloride wie Challacolloit und Pseudocotunnit – in einer Qualität, wie man sie bisher nirgends auf der Welt kannte! Dazu kam ein ganzer „Zoo“ seltener Halogenide von Chlor, Jod und Brom, verbunden mit exotischen Schwermetallen wie Zinn, Wismut oder Thallium. Dies bescherte der Insel Vulkano über ein Dutzend neuer Mineralarten – und viele weitere sind noch gar nicht offiziell beschrieben! Wer jetzt aber schnell mal mit dem Aliscafo nach Vulcano fahren will, um „einen Sack Sulfosalze“ oder „Neue Mineralien“ mitzunehmen, sei gewarnt: Die Novitäten sind ebenso spärlich wie winzig und die Sulfosalz-Zeiten sind bereits wieder vorbei. Ich hab‘s im Jahr 2004 selber mal ausprobiert: bis in 40 cm Tiefe glänzte nichts Metallisches, denn die Fumarole war schon wieder „viel zu kühl“. Nur mein Metallpickel hatte sich binnen einer halben Stunde in ein „spätrömisches“ Relikt verwandelt ... So sollte man besser das einmalige Naturschauspiel der fauchenden Dampfquellen und der außerirdischen Farben genießen. Vom Regen herabgeschwemmte Schwefelbrocken kann man – bei günstigem Wind – im inneren Kraterbereich sammeln und auf der Ostflanke des Vulkans soll es nach Auskunft russischer Forscher in alten Laven Blasenhohlräume mit Nadeln des Eisenborates Vonsenit geben – bis mehrere Zentimeter Länge!   Einen Besuch wert ... ist auch das benachbarte, mit „duftendem“ Schwefelwasserstoff angereicherte Schlammbad des Vulcanello am Hafen, ebenso wie die kochendheißen untermeerischen Quellen am Strand. Verblüffende Erlebnisse sind hier garantiert – Badende mit bloßen Füßen, Silberschmuck oder Piercings könnten Überraschungen erleben ...
 

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