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turmalin_besprRosemarie u. Hermann Aleff:

Unsichtbares sichtbar gemacht. Die Farbigkeit des schwarzen Turmalins

KristalloGrafik Verlag, Achberg 2007, Format ca. 21 cm x 30 cm, 163 Seiten mit rund 200 Farbabbildungen.
Preis € 39,50.

Dass der Turmalin ein ganz besonderer Edelstein ist, muss nicht gesagt werden. Wer kennt nicht die sagenhaft schönen Turmalin-Querschnitte aus Brasilien und Madagaskar! Was aber ist der schwarze Turmalin? Tatsächlich wurde ihm bislang wenig Beachtung geschenkt. Obwohl er schon seit langem als eigenständiger Schmuckstein bekannt ist, wird er lediglich auf Grund seiner trigonalen Kristallform in Gesteinssammlungen geschätzt. Über diese äußere Gestalt hinausgehend, zeigt er von sich aus zunächst nichts Interessantes. Bereits im mittelalterlichen Erzabbau fanden Bergleute im Abraum einen undurchsichtigen, schmucklosen Stein, den sie als etwas Überflüssiges betrachteten und ihn als «Abgeschorenes», als «Schor» bezeichneten. Ist dieser sogenannte «Schörl» nun wirklich wertlos?

Aus der Finsternis leuchten: Der ehemalige Lehrer und Chemiker Hermann Aleff und seine Frau Rosemarie haben über viele Jahre Schörle aus allen Erdteilen gesammelt. Die Autoren haben die Steine einem speziellen handwerklichen Verfahren unterzogen: Nach dem Schneiden wurde so dünn geschliffen, bis helles Licht hindurchdringen konnte. Die Objekte sind meist wenige Zentimeter groß, ihre Stärke ist maximal ein Millimeter, minimal nur wenige Hundertstel Millimeter dick. Diese Präzisionsarbeit wird in dem Buch beschrieben, so dass sie mit den entsprechenden Geräten jeder machen kann. Als Nächstes wurden mit den aufeinander abgestimmten Hilfsmitteln Durchlichtmikroskop, Digitalkamera und PC die Aufnahmen gemacht. Die Ergebnisse sind einmalig im Mineralreich und dürften nicht nur Mineralogen in Erstaunen versetzen: Der sonst in der totalen Finsternis sich abschließende Stein erstrahlt in leuchtenden Farben und fasziniert durch einen vielfältigen Formenreichtum. Die Autoren haben tausende Dünnschliffe des Schörls aus über 40 Ländern angefertigt. Die Arbeit zeigt etwa 200, zum Teil ganzseitige Mikrofotografien von Dünnschliffen zwölf verschiedener Fundorte. Dabei geht es sowohl in die ferne Mongolei als auch vor die nahe Haustür nach Deutschland; einen Schwerpunkt bilden Funde aus dem Erongo-Gebirge Namibias und dem Hindukusch Afghanistans. Das reichhaltige Spektrum der Fundstücke wurde thematisch nach Erscheinungsformen gegliedert. Einige Gruppen seien genannt: Klare geometrische Formen zeigen sich in Dreiecken, die ineinander gefügt oder vom Zentrum in die Peripherie in kraftvollen Farben sich ausbreiten; oder sie werden an Pyramiden sichtbar, die in zarten Farbtönen wie aus dem Dunst auftauchen. Man sieht ‹Landschaften›, deren breite Farbflächen wie bei einem Aquarell ineinanderfließen; mitunter stößt man auf parallel verlaufende Schichtungen wie bei Baum-Jahresringen. Bei alledem ist das Farbenfluten, in das die Motive getaucht sind, überwältigend: kraftvolles Zinnoberrot, tiefes Ultramarinblau, leuchtendes Orange, um nur wenige Beispiele zu nennen. Da die charakteristischen Risse stets schwarz sind, wirken die Farben besonders intensiv. Für jedes Bild ist die Größe des Dünnschliffes im Original angegeben; allerdings sieht man bald, dass die Abbildungen meist Bildausschnitte sind. Wäre es hier nicht auch interessant, die tatsächliche Größe des Abgebildeten zu erfahren, z.B. durch Angabe des Vergrößerungsmaßstabes? Eine derartige Dokumentation würde, falls sie in dem Verfahren möglich ist, die Arbeit noch aufwerten.

Augenschmaus: Der knappe und sachkundige Begleittext formuliert das sichere Forschungsergebnis: Meist konnten die Dünnschliffe den geographischen Fundorten zugeordnet werden. Weitere Aufgaben deutet die vorliegende Arbeit an, unter denen die Thematik der Metamorphose innerhalb der Turmaline sicher ein hervorragendes Forschungsfeld darstellen würde. Natürlich lebt das Buch in erster Linie von den fulminanten Bildern, die den Betrachter in den Mikrokosmos der mineralischen Welt, in die Weisheit der Physis, entführen. Verantwortlich für den Augenschmaus ist übrigens auch ein neu entwickeltes Papier mit einem hohen Anteil an Porzellanerde (Kaolin).

Daniel Hartmann (Erstveröffentlichung in der Wochenzeitschrift"Das Goetheanum")