Kugeliger Pyromorphit oder Mimetesit aus dem Schwarzwald?
Im Sommer 2009 gelang in einem alten Tagesschurf der Grube Hausbaden bei Badenweiler im Schwarzwald ein spektakulärer Neufund mit traubigem Mimetesit: Lettengefüllte Brekzienhohlräume in einem verkieselten, extrem harten und spröden „Quarzriff“ lieferten in mehrwöchiger Arbeit zahlreiche Kleinstufen und Kabinettstücke, die den klassischen Pyromorphit-Stufen von Badenweiler (→Lapis 11/2009, S. 17-19) frappierend ähneln. Um zu prüfen, inwieweit bei dem Neufund Mischkristalle zwischen dem Blei-Arsenat Mimetesit und dem Blei-Phosphat Pyromorphit vorliegen, wurden gelbe bzw. orangefarbene Halbkugeln im Auftrag der Lapis-Redaktion von Dr. Marek Kotrlý (Prag) mittels REM-EDX untersucht. Resultat: Es handelt sich jeweils um relativ reinen, leicht calciumhaltigen Mimetesit mit nur 10 Mol.% Pyromorphit-Anteil, entsprechend einer Realformel nahe (Pb1.8Ca0.2)[Cl|(AsO4)2.7(PO4)0.3]. Bei der orangefarbenen Varietät sind Zink, Kupfer und Vanadium leicht erhöht (0.2-0.9 At.%).
Weil moderne chemische Analysen der historischen Pyromorphite fehlen (es existieren nur die scheinbar „arsenfreien“ Analysen von Sandberger 1864+1867), ist anzunehmen, dass traubiger gelber Mimetesit in Badenweiler wahrscheinlich deutlich häufiger ist, als man bisher vermutete.
Stefan Weiß

Traubiger orangefarbener Mimetesit aus dem Neufund 2009 in Badenweiler, Schwarzwald. Stufe von Wendel-Mineralien,
Foto: Stefan Meier.






